Essays On Olafur Eliasson

Olafur Eliasson: Contemporary Artists Series

Published by Phaidon.

With images that suggest a modern-day Caspar David Friedrich, sculptor Eliasson recreates in elegant forms the extremes of the landscape and the atmospheric conditions of his native Iceland, resulting in a new kind of techno-Romanticism. Based in Berlin, Eliasson rebuilds in the gallery fragments of his faraway land: icebergs at the Musee d'Art Moderne de la Ville de Paris, "windmills" at the Louisiana Museum in Humlebaek, Denmark. For Eliasson, immaterial sensations such as temperature, smell, taste, air and magnetic waves become sculptural elements when presented in an art context. A simple circular cut in the ceiling of a gallery in Los Angeles, for example, recreates the feeling of the weak sun in Iceland, and becomes a kind of giant sun-clock reminiscent of both Matta-Clark's architectural cut-outs and the oculus of the Pantheon. Eliasson has become a recurring favourite in recent Biennales; his beautiful, quiet works inspired by themes of nature, isolation and introspection have made him among the best known and most admired names. His work has been seen in nearly every important international survey of new art, among them "Cream", the Venice Biennale, 1999, the 2nd Johannesburg Biennale 1997, the Istanbul Biennale 1997, the Sydney Biennale 1998 and the Sao Paulo Biennale, 1997, to name only a few. In 2002 Eliasson is nominated for the Hugo Boss prize and will be featured in the Guggenheim Museum's short-list exhibition in New York.

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Phaidon

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ISBN 9780714840369RETAIL
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Zwölf Blöcke für ein Umdenken: Der Berliner Künstler Olafur Eliasson weist mit einer ungewöhnlichen Kunstaktion auf die Gefahren des Klimawandels hin. Gemeinsam mit Minik Rosing, Professor für Geologie am naturhistorischen Museum der Universität Kopenhagen, stellt er ein Dutzend Eisbrocken aus. Die schmelzende Installation ist noch bis Mittwoch, 29.10., auf dem Rathausplatz der dänischen Hauptstadt zu sehen.

Das Anliegen dahinter verdeutlichen Künstler und Wissenschaftler in einem gemeinsam verfassten Essay:

Das Eis, die Kunst und der Weg des Menschen auf der Welt

Auf dem tiefsten Grund des Bewusstseins der Menschheit liegt die gemeinsame Vorstellung von einer anderen Zeit. Einer Zeit, in der wir noch nicht über die Fähigkeiten verfügten, den Gang der Welt zu beeinflussen. Folglich waren wir frei von Schuld und bezeichneten diesen Zustand als Paradies. Man kann diese Erzählung der Menschheitsgeschichte auch als persönliche Entwicklung deuten: Von der Kindheit, frei von Verantwortung und deshalb auch frei von Schuld, zum Leben als Erwachsener, in Einsicht und deshalb auch mit Verantwortung. Es lässt sich folgende Behauptung wagen: Die Kindheit der Menschheit ist die kollektive Erinnerung an reale historische Ereignisse, die von so gewaltigem, unfassbarem Ausmaß sind, dass wir in Mythologie und Religionen noch Jahrtausende nach ihrem Eintreten mit ihnen kämpfen. Diese Ereignisse, die so unauslöschlich in unsere kollektive Erinnerung eingemeißelt wurden, handeln vom Eis und davon, wie die Entwicklung des Eises das Klima und damit unsere gesamte Zivilisation beeinflusst hat.

Eis ist eine wunderbare, eigentümliche Materie, die sich anders verhält als fast alle anderen uns bekannten festen Substanzen. Wasser dehnt sich aus, wenn es zu Eis gefriert, während die meisten anderen festen Substanzen schrumpfen, wenn sie erstarren. Eis schmilzt, wenn es Druck ausgesetzt wird, wohingegen andere Feststoffe schmelzen, wenn der Druck abnimmt. Wasser absorbiert fast die gesamte Energie, die das Licht der Sonne an die Ozeane abgibt, während Eis fast die gesamte Energie ins All zurücksendet. Die Erde befindet sich in exakt dem Abstand zur Sonne, der gewährleistet, dass das Sonnenlicht den größten Teil des Wassers flüssig erhält, wobei die Temperatur auf der Erde dicht genug am Gefrierpunkt liegt, dass sich an den Polen und auf hohen Bergen Eis bildet. Um Eis zu Wasser zu schmelzen, sind große Energiemengen nötig. Andererseits werden beim Gefrieren von Wasser große Energiemengen freigesetzt. Der Wechsel des Wassers zwischen diesen beiden Aggregatzuständen trägt deshalb dazu bei, die Temperaturschwankungen zwischen Sommer und Winter und zwischen Tag und Nacht zu verringern und das Leben zwischen den Polen erträglich zu machen.

Eliasson: Eis ist nicht gleich Eis

Das Eis, aus dem die großen Eismassen der Antarktis und Grönlands bestehen, ist nicht auf dieselbe Art und Weise zustande gekommen, wie das Eis auf einem See oder die Eiswürfel in einem Gin Tonic. Es entstand durch das Zusammenpressen von Hunderttausenden von Jahren Schneefall, der durch sein Eigengewicht zu Gletschereis komprimiert wurde. Im Eis erkennen wir nach wie vor, Schicht für Schicht, den Niederschlag jeweils eines Jahres und können kleine Luftblasen finden – jede einzelne von ihnen eine versiegelte Probe der Atmosphäre zu jener Zeit, in der dieser Schnee fiel. So wie die Jahresringe das Alter eines Baumes angeben, besitzt das Eis eine datierte Erinnerung an die Klimaveränderungen und Zusammensetzung der Atmosphäre im Verlauf von Hunderttausenden von Jahren. Wir können die Temperaturumschwünge durch Eiszeiten und Zwischeneiszeiten verfolgen. Wir können messen, wie stark und vorherrschend die Winde waren und woher sie kamen, und wir erhalten Einblick in die Bewegungen der Meeresströme im Laufe der gesamten Menschheitsgeschichte auf dieser Erde.

Seit der Kreidezeit hat sich das Klima von warm, feucht und nahezu ohne jahreszeitliche Unterschiede zu einem zunehmend kälteren, trockeneren Klima gewandelt. Allmählich bildete sich auf dem antarktischen Hochland eine Eiskappe und die Erde glitt langsam aber sicher in einen anderen Zustand hinüber – die Eiszeiten kamen in Sicht. Die Ökosysteme der Erde reagierten auf die schleichenden Milieuveränderungen. Neue Arten entstanden, andere gingen zugrunde. Während Steppen und Savannen Wälder ablösten, entstanden neue Arten, die das künftige Aussehen der Erde bestimmen sollten. In großem Umfang verbreiteten sich Gräser und entwickelten sich zu vielen neuen Arten, einige von ihnen Urformen späterer Getreidesorten. Gräser bildeten die Grundlage für die Entwicklung aller großen, grasfressenden Tiere und später für Ackerbau und Viehzucht. Während gleichzeitig die Eiszeiten einsetzten, entstand auf den afrikanischen Savannen unsere Gattung, die Gattung Homo. Die Entstehung des Menschen selbst ist also eine Folge der Existenz des Eises und seiner Bewegungen auf der Erde.

Das Klimaarchiv des Eises zeigt, dass sich die Durchschnittstemperatur der Erde im Verlauf der letzten 500 000 Jahre, in denen der Mensch als Art entstand, um acht Grad veränderte. Gegen Ende der letzten Eiszeit, vor 10 000 Jahren, geriet das Klima in ein ungewöhnlich stabiles Gefüge. Es wurde wärmer – ungefähr so wie heute, vor allem aber wurde es vorhersagbar. Seitdem schwankte die Durchschnittstemperatur um nicht mehr als zwei Grad. Dieses stabile Klima ermöglichte den Menschen, die Zukunft einzuschätzen. Wir konnten unsere Intelligenz zum Planen und damit zum optimalen Nutzen der Naturschätze einsetzen. Der Mensch erfand den Ackerbau, und auf dem flachen, unberührten Land an den Küsten etablierten sich die ersten Zivilisationen. Unsere zivilisierte, stabile Klimaperiode hatte begonnen.

Der Wasserstand der Weltmeere lag zu jener Zeit um 120 m unterhalb des heutigen, doch in diesem neuen, milden Klima schmolzen die Eiskappen rasch. Das Meer stieg an und verschlang die frühesten Zivilisationen, die erleben mussten, wie ihre Welt ertrank. Die tiefsten Schichten der kollektiven Menschheitserinnerung handeln von jener Zeit, in der die ersten zivilisierten Welten untergingen und neue errichtet werden mussten. Alle großen Zivilisationen kennen Mythen von einer großen Sintflut, die die Menschheit verschlang, und alle versuchen seitdem, dieses unfassbare Ereignis zu verstehen.

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